Donnerstag, 26. November 2015

Geistige Giganten des Konservatismus Teil XVII

Geistig zurückgebliebene Radikalinskis wie Palin und Bachmann, sowie bösartige ultrarechte Demagogen und Lügner wie Rubio, Walker, Santorum, Jindal und Cruz sind für die Wähler aus der Mitte einfach zu extrem.

Andererseits vertreiben die wenigen verbliebenen Republikaner, die noch halbwegs zurechnungsfähig sind – wie George Pataki - die fanatisierten Teebeutler von den Urnen.

Zudem müssen sich die GOPer mit Rudimenten von Realitätssinn im Vorwahlkampf so weit nach rechts verbiegen, daß sie anschließend als Flippflopper gebrandmarkt werden. Jeb Bush gab inzwischen auf die Frage, ob er mit dem heutigen Kenntnisstand genau wie sein Bruder 2003 den Irak angegriffen hätte drei verschiedene Antworten: Ja, auf jeden Fall, Nein, niemals und Vielleicht. Zudem stellte er sich in der hochgejazzten „Darf ein Christen-Bäcker Schwule diskriminieren?“-Frage auf die Seite der Radikalen und erklärte: “Ein tolerantes Land muss religiöse Diskriminierung zulassen.”

Wird nicht so einfach den Verbal-Müll, den die Fanatiker in den bisherigen Republikaner-Debatten von sich gaben, bei den Debates mit Hillary wieder einzufangen.

Schwer vorstellbar, daß sich demnächst eine republikanische Führungsfigur finden läßt, die wie einst Ronald Reagan das ganze GOP-Spektrum abdeckt.

Langfristig wird eine zerfasernde GOP die Mehrheitsfähigkeit verlieren und den Demokraten wieder Mehrheiten in beiden Kongresskammern ermöglichen.
Sie könnten sich dann auch wieder ein bißchen nach links orientieren – so wie es sich die Basis wünscht.

Dann könnte es wieder voran gehen in Amerika.

Der siebzehnte geistige Gigant des Konservatismus (GGK), den ich in dieser neuen Reihe besprechen möchte, hat sich genau wie die radikale Lügnerin Carly Fiorina komplett der Realität entkoppelt: Donald Trump.

Es ist eigentlich müßig den orangehaarigen Milliardär der Mobs noch vorzustellen.
Der groteske Presbyterianer ist inzwischen weltweit bekannt wie ein bunter Hund. Er ist so eine Art amerikanische Ein-Mann-Pegida mit Geld: Politisch kloaken-artig müffelnd erzeugt er bei halbwegs moralischen Menschen einen überwältigenden Drang schreiend wegzulaufen.
Aber die Journalisten verhalten sich wie bei verwesenden Quallen am Strand: Sie wissen zwar, daß es ekelig ist, gehen aber doch hin und stochern am Kadaver herum.

In der Summe aller Umfragen liegt Trump nun wieder klar vor Carson, der ihn zwischenzeitlich eingeholt hatte.

Der Europäer staunt, denn für unsere Maßstäbe hat sich Trump lange selbst disqualifiziert, indem er wiederholt massiv log und sich öffentlich über die Behinderung des "NYT"-Reporters Serge Kovaleski lustig machte.
Kovaleski, der unter Arthrogryposis, einer angeborenen Gelenkversteifung leidet, nimmt es achselzuckend hin, da er seit sechs Jahren regemäßig für die NYT über Trump berichtet und daher dessen niederträchtigen Charakter nur zu gut kennt.


Es ist nicht das erste Mal, dass Trump sich in diesem Wahlkampf über einen behinderten Journalisten lustig macht. Im Juli hatte er etwa den konservativen Kolumnisten Charles Krauthammer angegriffen, der Trump scharf kritisiert und als "Rodeo-Clown" bezeichnet hatte. Trump hatte daraufhin erwidert: "Ich werde beschimpft von einem Typen, der sich nicht einmal eine Hose kaufen kann, so einer benutzt Schimpfwörter gegen mich?" Krauthammer ist von der Hüfte abwärts gelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Republikaner und Teebeutler mögen so ein Verhalten ganz offensichtlich.

Die vier Führenden – Trump, Carson, Rubio und Cruz – gehören allesamt zum ultra-ultrarechten Spektrum der Partei und vereinen gegenwärtig über 70% der Stimmen auf sich. Jeb Bush, der für deutsche Verhältnisse auch noch mindestens AfD-rechts ist, folgt mit knapp über 5% auf Platz 5.
Von allen Republikanern können nur Pataki und Graham als halbwegs zurechnungsfähig gelten (natürlich sind auch sie frömmelnden Militaristen). Die liegen aber beide klar unter einem Prozent Zustimmung.

 Das sind gute Nachrichten für Hillary Clinton, denn diese GOPer des Bestiariums dürften es schwer haben im ganzen Land genügend Stimmen zu bekommen.

Historische Versagerin ist die Führung der republikanischen Partei, die nun auch offiziell das schon 2012 eingeläutete „post-truth-Zeitalter der GOP“ absegnet.

Ihre Kandidaten können noch so unverschämt lügen; es wird alles stillschweigend akzeptiert, wenn es nur dem Gegner schadet.

[…] Als die Amerikaner im November 2002 bei der ersten Wahl nach den Anschlägen vom 11. September mehrheitlich für die Republikaner stimmten, fasste Bill Clinton die Stimmung so zusammen: "Wenn die Leute unsicher sind, dann ist ihnen der Politiker lieber, der strong and wrong ist - und nicht der, der weak and right ist."
Auf niemanden passt die Formulierung strong and wrong besser als auf Donald Trump: Das grenzenlose Selbstbewusstsein lässt den Präsidentschaftskandidaten stark erscheinen und er liegt in einigen Dingen falsch. Sein Plan, eine Grenzmauer zu Mexiko zu bauen, ist kaum realisierbar. […] Doch seit den Pariser Terroranschlägen ist eine neue Dimension erreicht: Der 69-Jährige, der in den Umfragen mit großen Abstand führt, verbreitet Lügen. Es begann mit der Behauptung, die Obama-Regierung wolle 250 000 muslimische Flüchtlinge in die USA holen. Was nicht stimmt. Die Zahl stammt von einer Website mit erfundenen Nachrichten. Doch richtiggestellt hat Trump dies nicht.
[…] Nun fordert der Milliardär seit Tagen, Moscheen in den USA sollten überwacht werden. Er begründete dies zunächst damit, dass er persönlich gesehen habe, wie Tausende Muslime in New Jersey gejubelt hätten, als die Zwillingstürme des World Trade Center 2001 in sich zusammenfielen. Angesprochen darauf, dass er nach eigenem Bekunden am Morgen des Anschlags in seinem Appartment in Manhattan war, sagte Trump: "Es wurde im Fernsehen gezeigt. ich habe es gesehen."
Die Factchecker von Politifact und der Washington Post machten sich jedenfalls auf die Suche nach Belegen und fanden - nichts. […] Doch trotz fehlender Beweise wiederholte Donald Trump seine Aussagen zu den jubelnden Muslimen. Und legte mit einer weiteren Ansage nach: Am Dienstagabend versprach er bei einer Rede in South Carolina, dass er als Präsident alle syrischen Flüchtlinge aus den USA ausweisen werde.
Am vergangenen Samstag retweetete Trump bei Twitter eine Infografik zu Gewaltverbrechen, die behauptet, dass 81 Prozent aller weißen Amerikaner von Schwarzen getötet würden. Auch diese Behauptung ist völlig falsch: Die korrekte Zahl für das Jahr 2014 ist 15 Prozent - das zitierte "Crime Statistics Bureau" existiert gar nicht. […]
Noch schlimmer ist es jedoch, dass ihm kaum einer seiner Rivalen widerspricht und auch andere führende Republikaner sich bedeckt halten. Dana Milbank, Kolumnist der Washington Post, bringt es auf die geniale Formel: "Der Lügner und die Lemminge" - aus Angst, die vielen wütenden Trump-Anhänger zu vergraulen, schweigen Ted Cruz und Co. oder weichen aus. […]


Wenn Amerika doch nur nicht so unfassbar mächtig wäre; ökonomisch nicht so dominierte, nicht über die gewaltigste Armee des Planeten verfügte.

Unglücklicherweise muß man sich aber vor diesen lügenden Fanatikern der GOP ernsthaft fürchten.
Die sind so ignorant, daß ihr Wahnsinn durchaus in einigen Jahren die Welt aus den Angeln heben könnte.

[…] Europas Terror ist für die Amerikaner weit weg. Trotzdem hetzen Demagogen wie Donald Trump immer lauter gegen Muslime und Flüchtlinge. Die historischen Parallelen sind beklemmend - doch die Parolen kommen an.
[…] Alle US-Muslime seien also auch jetzt per se terrorverdächtig, sie müssten registriert, überwacht, notfalls sogar gekennzeichnet werden, so der Milliardär, der seine Kandidatur mit Hasstiraden auf Latino-Einwanderer begann. Womöglich werde man auch Moscheen schließen müssen: "Dinge, die vor einem Jahr undenkbar waren."
Undenkbar war in Wahrheit aber solch offene Hetze gegen eine ganze Religionsgruppe - in einem von Religionsflüchtlingen gegründeten Land, das sich die Religionsfreiheit selbst in die Verfassung schrieb. […]
 Trump spricht aus, was viele denken. Die Anschläge von Paris und Mali haben in den USA eine heftige Gegenreaktion provoziert, die Stimmung kippt, nicht nur gegen Muslime. Sondern auch gegen alle Syrien-Flüchtlinge, die über Nacht von gesichtslosen Opfern zu gesichtslosen Tätern wurden - eine Entwicklung mit düsteren historischen Parallelen.
[…] Trump steht nicht alleine. Ted Cruz und Jeb Bush wollen nur noch christliche Flüchtlinge zulassen. Ben Carson vergleicht syrische Migranten mit tollwütigen Hunden. 30 US-Bundesstaaten sperren sich inzwischen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. David Bowers, ein Bürgermeister aus Virginia, will sie lieber internieren - wie die 127.000 Amerikaner japanischer Herkunft nach Pearl Harbor, ein schwarzes Kapitel der US-Geschichte. […]

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